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Erinnerungen an die atlantische Sklaverei. Frankreich und Spanien, die französische Karibik und Kuba im Vergleich und im Kontext globaler Debatten um das Gedenken an Sklavenhandel und Sklaverei

Projektleitung und -bearbeitung:  PD Dr. Ulrike Schmieder, Historisches Seminar, Philosophische Fakultät, Hannover

Im Kontext des globalen Cultural Heritage Booms, bei dem sich lokale, nationale und globale Geschichtspolitik und Identitätskonstruktionen mit Interessen am Kulturtourismus kreuzen, sind Erinnerungsorte an Kolonialismus und Sklaverei, die mit historischer Schuld verbunden sind, ein Feld gesellschaftlicher Konflikte. In der International Decade for People of African Descent (2015-2024) wird in Europa und den ehemaligen Kolonien in Afrika und Amerika debattiert, ob, wo und auf welche Weise an Sklaverei erinnert werden sollte; wer sich bei wem entschuldigen sollte und wer wen entschädigen sollte. Es wird diskutiert, wie mit Überresten der Sklaverei umgegangen werden soll, welche Denkmäler errichtet, welche abgerissen oder kommentiert, welche Museen etabliert oder umgestaltet werden sollen. Wenn die Aufarbeitung rezenter Diktaturen nicht die Erinnerung an die Kolonialzeit überlagert (Spanien, Portugal), spielen in europäischen Ländern mit längerer Kolonialgeschichte und vielen Einwander_innen aus ihren ehemaligen Kolonien (England, Frankreich, Niederlande), die Kontroversen um die koloniale Vergangenheit eine größere Rolle als in Deutschland. Hier konzentrierten sich die Auseinandersetzungen bis in die jüngste Vergangenheit auf den Umgang mit NS-Vergangenheit und damit verbundene Erinnerungsorte.

Auf Grundlage der Wissens über Sklaverei und Postemanzipation, besonders zur französischen Karibikinsel Martinique und zum vormals spanischen Kuba, werden der Umgang mit historischen Überresten (Plantagen/ Herrenhäusern/ Sklavenhütten) und die Einrichtung von Gedenkorten (Denkmälern und Museen) in Frankreich und Spanien, der französischen Karibik mit Fokus auf Martinique und Kuba im Kontext globaler Debatten um das Thema untersucht. Die Historiographie bezieht sich bisher meist nur auf den anglophonen Raum. Die zentrale Fragestellung wird sein, welche AkteurInnen die Errichtung von Gedenkorten vorangetrieben und welche sie behindert haben, wer diese Orte wie und zu welchem Zweck nutzt oder ignoriert und warum. Dabei werden gegenwärtige Machtverhältnisse, (soziale und rassistische) Inklusionen und Exklusionen in der Gesellschaft, die erinnert oder verdrängt, sichtbar. An ausgewählten Gedenkorten in Martinique und Kuba werden die contre-memoires der Nachfahren von SklavInnen und ihr Verhältnis zu den Erinnerungsorten durch Oral History Methoden erforscht. Interviews mit ExpertInnen und AktivistInnen in den Haupt- und Hafenstädten der ehemaligen Kolonialmächte Frankreich und Spanien und in der Karibik sowie Dokumente in lokalen Archiven und Bibliotheken liefern weitere Quellen.