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Teilprojekt 3 - Cultural Heritage in ethnoheterogenen Geselllschaften

Cultural heritage in ethnoheterogenen Gesellschaften. Zur Produktion von Historizität bei niederländischen, portugiesischen und friesischen Gruppen 

Leitung: Prof. Dr. Mathias Bös, Institut für Soziologie, Hannover

    PD Dr. Nina Clara Tiesler

Mitarbeiterin: Deborah Sielert, M. A.

Das empirische Forschungsprojekt untersucht vergleichend ethnische Vergemeinschaftung unter portugiesischen und niederländischen MigrantInnen und FriesInnen. Erforscht werden Dimensionen der Traditionsbildung als Produktion von Historizität und deren Aufwertung (valuation) als kulturelles Erbe. Qualitative Interviews, teilnehmende Beobachtung und die Analyse von wissenschaftlichen und medialen Quellen erlauben eine umfassende und vergleichende Situationsanalyse lebensweltlicher und diskursiver Konstruktions- und Aushandlungsprozesse an der Schnittstelle zwischen Cultural Heritage und Ethnoheterogenese.

Die Bedeutung von Kultur und Formen ethnischer Vergemeinschaftung ist ständiger Bestandteil von Debatten in der Migrationsgesellschaft. Viele Begriffe, die Prozesse ethnischer Vergemeinschaftung und Vielfalt beschreiben oder analysieren (Assimilation, Integration, Multikulturalität), stellen eher Bilder der Selbstbeschreibungen heutiger Gesellschaften, denn heuristische analytische Kategorien dar. In der akademischen Forschung, wird (De-)ethnisierung oft auf lineare Weise, als Vervielfältigung oder Angleichung, als Erweiterung von Handlungsoptionen oder als hierarchisierende Zuschreibung beschrieben. Auch ist eine Betrachtung des gesamtgesellschaftlichen Kontexts in dem sich Prozesse der Hetero- und Homogenisierung dialektisch bedingen nicht immer im Blickfeld. Dieses Projekt nutzt Ethnoheterogenese als analytische Kategorie, um die Komplexität und Multidimensionalität von Prozessen der Genese von Ethnizitäten auf mehreren Ebenen zu erfassen.

Der Verwobenheit von Ethnizität und Kultur wird sich im Projekt über das Phänomen Kulturerbe im sozialen Nahraum genähert. Der Fokus liegt dabei nicht auf der „heritage industry“’, sondern auf den Grammatiken und Skripten der Aufwertung (valuation) spezifischer Formen der Vergegenwärtigung von Vergangenheit (past presencing) im Spannungsfeld von Heimat und Fremdheit. „Cultural heritage“ ist als Weltkulturerbe der UNESCO in aller Munde und zugleich ein zentraler Bestandteil nationalstaatlicher Vergangenheitskonstruktion. Das Projekt macht sich zunutze, dass im Auswahl- und Anerkennungsprozess jeglichen universellen Kulturerbes partikulare Machtprozesse zwischen beispielsweise Nationalstaaten und gesellschaftlichen Minderheitengruppen immer schon immanent sind. Damit ergibt sich eine Isomorphie zu Geschichtskonstruktionen in ethnischen Diskursen und Narrativen auf nationaler und transnationaler Ebene.

Nationalstaatliche Kulturerbekonstruktionen mit oft ethnisch konnotierten Vorstellungen dienen zur Stützung von Solidaritätsanforderungen an eine wie auch immer vorgestellte nationalstaatlich verfasste Gesellschaft. Gerade im Kontext der Propagierung politischen Gruppenhandelns führt sie zur Exklusion und Diskriminierung von als „nicht dazugehörig“ konstruierten MigrantInnen. Deshalb ist es zentral, die Zusammenhänge von kultureller Traditionsbildung und der Verwobenheit von Ethnizität und Kultur im Rahmen nationalstaatlicher Machtprozesse zu analysieren. Das Projekt tut dies, indem verschiedene gesellschaftliche Akteure hinsichtlich der Art und Weise, wie sie spezifische kulturelle Praktiken als bedeutungsvoll und schützenswert konstruieren, in den Blick genommen werden.